Warum Tierärzt:innen keine Coaches sind – und trotzdem unverzichtbar
- info9580869
- 1. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Der Hund knurrt plötzlich beim Anfassen. Er reagiert aggressiv auf Artgenossen, obwohl er „früher total sozial“ war.Er ist unkonzentriert, explosiv, scheinbar ständig unter Strom.
Die Diagnose aus dem Umfeld kommt oft schnell:schwierig, unsicher, dominant, schlecht erzogen.
Doch was, wenn das Problem nicht im Training liegt – sondern im Körper?
Willkommen an der unbequemen, aber entscheidenden Schnittstelle zwischen Coaching, Tiermedizin und Verhaltensmedizin.
Verhalten ist kein Charakterzug – es ist ein Symptom
Hunde zeigen Verhalten nicht „einfach so“.Verhalten ist immer das Ergebnis aus:
körperlichem Zustand
emotionaler Belastung
Lerngeschichte
Umwelt & Management
Und genau hier liegt der Denkfehler vieler Trainingsansätze:👉 Wenn wir nur am Verhalten schrauben, ohne den Hund medizinisch ernst zu nehmen, arbeiten wir oft am falschen Ende.
Schmerzen, hormonelle Dysbalancen, Magen-Darm-Probleme, neurologische Veränderungen oder chronischer Stress können Verhalten massiv beeinflussen – und zwar lange, bevor klassische Symptome auffallen.
Ein Hund mit Schmerzen lernt schlechter.Ein Hund mit Angst kann nicht „konsequent“ sein.Ein Hund im Dauerstress kann nicht entspannen – egal wie gut das Training ist.
„Der Tierarzt hat nichts gefunden“ – oder doch?
Ein Satz, den viele Coaches kennen.Und der leider oft bedeutet: Es wurde nichts Akutes gesehen.
Doch Verhaltensmedizin ist kein kurzes Abtasten.Sie fragt weiter:
Wie schläft der Hund?
Wie frisst er?
Wie reguliert er Stress?
Wie reagiert sein Körper auf Belastung?
Welche Rolle spielen Hormone, Neurotransmitter, Schmerzgedächtnis?
Ein unauffälliges Blutbild bedeutet nicht automatisch einen gesunden Hund – genauso wenig wie ein unauffälliges Röntgenbild einen schmerzfreien.
👉 Verhaltensmedizin beginnt dort, wo Standarddiagnostik aufhört.
Coaching hat Grenzen – und das ist kein Versagen
Ein guter Coach erkennt nicht nur Trainingspotenzial, sondern auch Red Flags:
plötzliche Verhaltensveränderungen
steigende Reizbarkeit
Aggression ohne erkennbare Lerngeschichte
extreme Erregung oder Apathie
„Training funktioniert nicht mehr“
Hier weiter zu trainieren, ohne medizinisch abzuklären, ist kein Durchhalten – es ist Risiko.
Denn: 👉 Coaching kann keine Schmerzen wegtrainieren.👉 Coaching kann keine Neurochemie ersetzen.
Und genau deshalb ist die Zusammenarbeit mit Tierärzt:innen – idealerweise mit Zusatzqualifikation in Verhaltensmedizin – kein Nice-to-have, sondern ein Muss.
Medikamente sind kein Maulkorb fürs Gehirn
Kaum ein Thema ist so emotional aufgeladen wie Psychopharmaka beim Hund.Die Angst: Der Hund wird ruhiggestellt. Verändert. Gefügig gemacht.
Die Realität (richtig eingesetzt):Medikamente können einen Hund erst ansprechbar machen.
Sie senken Angst, regulieren Stressachsen und ermöglichen Lernen – dort, wo vorher Überforderung war. Nicht statt Coaching, sondern für Coaching.
👉 Medikamente sind kein Ersatz für Training.👉 Training ist kein Ersatz für Medizin.👉 Beides zusammen kann Leben verändern.
Der Mensch gehört mit auf den Behandlungstisch
Ein unbequemer, aber zentraler Punkt:Der Hund lebt nicht isoliert.
Stress im Alltag, Erwartungshaltungen, Unsicherheit, Überforderung oder ständiges „Funktionieren-Müssen“ wirken direkt auf das Nervensystem des Hundes.
Verhaltensmedizin ohne Blick auf das Mensch-Hund-System bleibt unvollständig.Coaching ohne medizinischen Blick bleibt oberflächlich.
Dogrebels Haltung: Ganz oder gar nicht
Wir glauben nicht an den „Problemhund“.Wir glauben an komplexe Systeme.
Wir glauben an:
interdisziplinäres Arbeiten
klare fachliche Grenzen
ehrliche Diagnosen
Hunde, die gehört werden – auch körperlich
Und wir glauben daran, dass echte Veränderung dort beginnt, wo Coaching, Tiermedizin und Verhaltensmedizin zusammenarbeiten statt konkurrieren.
Denn manchmal ist der rebellischste Schritt nicht härter zu trainieren –sondern innezuhalten und zu fragen:
„Was, wenn mein Hund gar kein Trainingsproblem hat?“
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